#1 RE: Aushang: Über die Zaron von Menk 12.01.2009 13:51

Über die Zaron

Nach langer und ausführlicher Recherche, nach zahlreichen Gesprächen und Erlebnissen fühle ich mich bereit über die Zaron zu berichten, jenem zurückgezogen lebenden Volke, welches zahlreiche abgelegene Orte Talosias besiedelt.
Möge diese Schrift Jenen, welche nach uns kommen, kostbare Dienste auf ihren Reisen durch Talosia erweisen und sie erleuchten.

Erscheinung der Zaron
Als ich den Zaron einst in den Wäldern Remesaats begegnete - und es war eine seltsame Begegnung – traten sie in jenen weißen Gewändern in Erscheinung, welche ihr Volk auszeichnen. So tragen sie meist eine weiße Kutte, zu welcher eine Schärpe quer über die Brust gelegt wird. Hinzu oft eine Pelzmütze. Doch Obacht geschätzter Studiosi! Das Wichtigste an ihrer Kleidung ist das Symbol Ilsadis, die Waage, welche sie stets in Braun abzubilden pflegen. Macht niemals, ich beschwöre euch, niemals, den Fehler sie mit den Anhängern der Kirche der Erleuchtung zu verwechseln. Selbige tragen gleichfalls die Waage im Wappen, doch darüber eine aufgehende Sonne. Die Zaron mögen euch eine solche Unwissenheit verzeihen, die Diener der Kirche mitnichten, denn seit langer Zeit sind beide Gruppen in Feindschaft zueinander entbrannt.
Ein weiteres Merkmal, welches diesen tödlichen Fehler vermeiden hilft, ist die Art der Bewaffnung: Wo die Diener der Kirche meist mit schwerer Rüstung und Waffe angetan sind, scheinen die Zaron den Stecken und den Bogen zu bevorzugen. Eine durchaus verständliche Vorliebe, leben die Zaron doch zurückgezogen in den Wäldern, wo eine solche Rüstung, von Fragen der Pflege und Herstellung zur Gänze zu schweigen, doch nur hinderlich wäre.

Glaube der Zaron
Die Zaron huldigen, ihrem eigenen Bekunden nach, noch heute der Göttin Ilsadi in der althergebrachten Form, wie sie, wohl in Abgrenzung zur Kirche der Erleuchtung, stets betonen.
An dieser Stelle kann und will ich dem geschätzten Studiosi meiner Schrift eine knappe Darstellung der talosischen Mythologie nicht vorenthalten. Folgende Schilderungen beruhen auf Texten und mündlichen Berichten der Zaron können jedoch leider noch nicht als vollständig angesehen werden.
Der Glaube der Zaron beschreibt den Göttervater Uto als Schöpfer Talosias, der Sterne und des Himmels Dem Kundigen bleibt die auffällige Ähnlichkeit des Namens zur Weltenschöpferin Usra nicht verborgen.

Aus ihm entsprangen die drei Götterkinder Ilsadi, Kryan und Tarn. Die Letzteren Beiden scheinen heute kaum noch Verehrung zu genießen, Ilsadi hingegen wird nach wie vor stark verehrt. Dennoch sind sie von großer Bedeutung, denn den Legenden der Zaron nach, forderte Uto seine Kinder zu einem mythologischen Ereignis auf, dem Wettstreit der Götter, dessen Sieger den Titel des Darzhûl`Imar tragen sollte. Auch dies ist auffällig: Offenbar spiegelt sich der Schöpfungskrieg auch in der talosischen Mythologie wider. Ebenso auffällig ist die Nennung von drei Kindern, wie wir sie ebenfalls aus der Heimat kennen – jedoch scheinen Zahrot und Assilia hier nie erschienen zu sein.
Offenbar zu diesem Zwecke erwählte jeder der Götter ein Volk. Ilsadi erwählte die Ehlenadi und gab ihnen den Namen Zaron, Tarn erwählte die Dar-Eleph und nannte sie Goldaren, Kryan erwählte die Alyphen und nannte sie Kryandiner.
Der Wettstreit der Götter brachte Kor, den Günstling Kryans als Sieger hervor, welcher seinen eigenen Meister in die Verbannung stieß. Bemerkenswert erscheint mir hier das Ereignis des Verrats, welches auf ein Wirken des Erzverräters hindeuten mag.
Die Zaron selbst glauben an das Prinzip des Gleichgewichts ihrer Göttin Ilsadi, was der Grund gewesen sein mag, sich gegen Darzhûl`Imar zu stellen. Ihre Rückkehr in dieser Zeit, welche mit der Rückkehr der Stadt Korandia einhergeht, scheint diese These zu stützen. Wiederum erstaunlich ist, wie sehr die zaronische Waage jener der Taal-Kirche ähnelt. Ob darin eine alte Erinnerung an die Zeit vor dem großen Exodus zu sehen ist, von welcher die heiligen Schriften berichten, oder ob die Götter die Zaron erst später erleuchteten vermag ich noch nicht zu sagen. Ebenso vereinen die Zaron in ihrer Göttin Ilsadi Aspekte mehrerer der wahren Götter. So etwa das Gleichgewicht, welches Taal durch seine Rechtsprechung erhält, ebenso wie Eilarin über das Gleichgewicht von Leben und Tod wacht.In keinem Fall kann man den Zaron Ketzerei vorwerfen. Viel eher vermute ich, dass sie die Zeichen der Götter entweder falsch deuteten oder die Götter es nicht für nötig befanden ihnen all Jenes mit auf den Weg zu geben, was sie den erleuchteten Davaniern zu Teil werden ließen.

Die Geschichte der Zaron
Den Zaron gilt das Zeitalter der Götter, als das Erste, auch wenn es offenbar aus der numerischen Ordnung ausgenommen wird. In dieser Zeit fand, nach der Mythologie der Zaron, die Schöpfung des Alles durch den Göttervater Uto statt. Wiederum findet sich hier eine bemerkenswerte Parallele zu den wahren Geschehnissen: Die Schöpfung Usras und die Geburt der Götter.
Das erste Zeitalter, dessen Dauer nicht genau bestimmt werden kann, brachte den Götterkrieg wie die Erstehung der drei großen Reiche mit sich. Mit Sicherheit muss dieses Ereignis nach der Schaffung Davanias stattgefunden haben. Recht sicher auch nach dem ersten Schöpfungskrieg und dem großen Exodus.
Die Namen dieser Reiche lauteten Zaronreich, Goldagor und Dazulima. Das Erste Zeitalter erlebte in Folge des Wettstreits der Götter vermutlich lang andauernde Kriege des Bündnisses der Zaron und Goldaren gegen Dazulima. Die genaue Ausdehnung der Reiche ist heute nicht mehr genau zu bestimmen, doch berichten die Zaron davon, dass sich ihr eigenes Reich, Zaronien, etwa über die heutige Feldmark erstreckte. Im Norden Talosias lag Dazulima, das Reich des Darzhûl`Imar, welches heute Unland oder Dajolimar genannt wird. Die Lage des goldarischen Reiches zu bestimmen fällt noch etwas schwerer, da mit der Einverleibung Zaroniens und dem Verschwinden Korandias (ich spreche, so unglaublich dies erscheinen mag, von Stadt und Volk!) man vom goldarischen Großreich sprach. Dass selbiges Reich später zerbrach und sein Zerfall den Übergang zum zweiten Zeitalter Talosias kennzeichnet, gilt als wichtiges historisches Ereignis, zu welchem ich jedoch kaum Nennenswertes erfahren konnte.
Mit dem Niedergang des goldarischen Großreichs ging auch die alte Zaron-Kultur in weiten Teilen verloren und wandelte sich zu jenem Bilde, welches wir heute in Talosia vorfinden können. Allenfalls alte Ruinen und Burgen und manch geheimer Ort künden noch vom Wirken der alten Völker. An die Stelle der Goldaren als ordnende Macht ist die Kirche der Erleuchtung getreten, welche den Zaron nicht wohl gesonnen ist. Die Feldmark, ihr einstiges Reich, ist heute ein wildes, von Bauern bewohntes und von keiner Herrschaft geeinigtes Land, in welchem noch zahlreiche Geheimnisse ihrer Entdeckung harren mögen.

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